Mai 2018

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Werbung für Werbung

Schlechte Zeiten für Banker sind gute Zeiten für Werber. Endlich konkurrieren sie nicht mehr mit Zuhältern um den letzten Platz in den Rankinglisten der Schwiegermütter: Da stehen jetzt die ehemaligen »Masters of the Universe«, wozu die Haie der Wallstreet sich selbst ernannt hatten.

Dabei sind Werber doch gar keine so schlechten Menschen. Sie geben alles darum, verstanden werden und tun einiges dafür: Sie geben sich unterhaltsam, charmant, humorvoll, abwechslungsreich… Aber ja, es stimmt: Sie tun es nicht aus bloßer Menschenliebe, dahinter steckt ein Kalkül.

Werber wollen nicht unterhalten um der Unterhaltung willen sein, nicht charmant um der Liebenswürdigkeit willen, nicht humorvoll um der Pointe willen. Sie wollen unsere Aufmerksamkeit für etwas anderes fesseln: für die Botschaft ihres Sponsors! Sie wollen uns von etwas überzeugen; sie - wollen - uns - etwas - verkaufen.

Aber sind Künstler zum Beispiel bessere Menschen? Im besten Falle tun sie alles um des Schönen, Wahren und Guten willen. Aber sie scheren sich keinen Deut darum, ob es jemand unterhaltsam, charmant, humorvoll oder abwechslungsreich findet. »Das Kunstwerk nimmt sich das Recht, keine Bedürfnisse erfüllen zu wollen…; statt zu geben, fordert es erstmal Anstrengung der (wahrnehmenden) Sinne und des (begreifenden) Intellekts«, schreibt »monopol«, Magazin für Kunst und Leben, 11/2008, S. 69. Das kann sich die Werbung nicht leisten. Aber auch – das weiß der Autor Christian Demand – die Kunst will nicht nur wahr, schön und gut sein, sondern auch verstanden und verkauft werden (von Ausnahmen abgesehen). Also, empfiehlt der Autor wenig später allen, die über Kunst schreiben: »Warum versuchen wir es mit aufgeblasener Unduldsamkeit, anstatt ernsthaft dafür zu werben.«

Sicher kann man da nicht in 30-Sekunden-TV-Spots denken und nicht in Doppelseiten oder Big-Size-Bannern. Aber dem Schönen, Wahren und Guten würde ein bisschen Werbung sicher gut tun. Und das ist doch ein weiterer Hinweis dafür, dass wir sie beide brauchen, die Kunst UND die Werbung. Oder?

Ab sofort erscheinen hier in diesem Sinne in freiem Rhythmus Kapitel über

»Werbung für die Werbung«

01 Ein Werber muss alles wissen.
02 Neue Ideen kommen von alten.
03 Eine gute Idee zu haben, ist einfach, aber merken, dass es eine ist…
04 Kritik ist die höchste Form der Zuneigung.
05 Kommunikation ist unwahrscheinlich.
06 Design yourself!
07 Wer Werbung nicht erzählen kann, kann auch keine machen.
08 Kunden sind keine Sponsoren.
09 Man muss lernen, was es zu lernen gibt, und dann seine eigenen Wege gehen.
09 (Händel)
10 Lob der Einfachheit.
11 Hausaufgaben machen!
12 Der Arzt bin ich!
13 Von Cannes nach Kotzen
14 Wenn eine Idee gut ist, wird alles einfach gut.
15 Die Welt wird immer hybrider – die Werbung auch.
16 Über Werbung lässt sich AUCH ästhetisch urteilen oder
    Werbung ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst (frei nach Bismarck).
17 Leidenschaft!
18 Guru oder Scharlatan?

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